Konzert,
7. Februar 2003, Pelikan-Saal, Hannover, Werke von Schönberg,, Xenakis,
Boulez
Meilensteine der Moderne
....Höchstleistung wurde von allen gefordert. Denn bei der maximal sechsköpfigen
Besetzung konnte sich kein Instrumentralist verstecken. Und das musste auch
niemand beim Konzert des Ensemble Phoenix Basel, das auf Einladung der Staatsoper
im Pelikansaal gastierte. Stets gelang die konsequente Durchleuchtung auch der
verwickeltsten Strukturen. Den drei Meilensteinen des Programms bekam die auf
Präzision ausgerichtete Musizierfreude bestens. Schönbergs Kammersinfonie
in der von Webern eingedampften und vom Dirigenten Jürg Henneberger revidierten
Quintettfassung führte mit der einleitenden Quartenfanfare an den Rand
der Tonalität.
...Als Kontrast zur entschwindenden Tonartbildung faszinierte das vor allem
von der Geigerin Marianne Aeschbacher und der Klarinettistin Toshiko Sakakibara
in jeder Figur betörend geformte Espressivo.
"Plekto" (Flechte) von Iannis Xenakis ersetzte den melodiösen
Ausdruck durch vibratolose Klarheit. Selbst in gleitenden Tonbewegungen verzichtete
die mit aller gebotenen Strenge nachgezeichnete Musik auf individuelle Empfindungen
und blieb mathematischer Folgerichtigkeit treu.
Dass strikteste Vorherbestimmung in poetische Fantasie umschwenken kann, markierten
die Schweizer Gäste zum Schluss in "Le Marteau sans Maître"
von Pierre Boulez. Die kurzfristig eingesprungene Altistin Maria Kowollik zog
alle Register ihrer zwischen sprechen und singen geforderten Stimme, und die
Schweizer Instrumentalisten, darunter der Flötist Christoph Bösch
und der fabelhafte Bratschist Patrick Jüdt, brillierten durch denkwürdige
Gewandtheit.
10.2.03, Hannoversche Allgemeine Zeitung, Ludolf Blaucke
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