Konzert
mit dem Ensemble Phœnix Basel am Lucerne Festival, 15.9.2001, Werke von
Scartazzini, Racine und Wildberger
Sechsteltönig verstimmt
An dem Tag, als das diesjährige "Lucerne Festival" erschöpfte,
geschah Erstaunliches: Ein Konzert mit ebenso zeitgenössischer wie schweizerischer
Musik fand ausgesprochen reges Interesse bei einem Publikum, das nicht nur aus
mehr oder weniger ausgewiesenen Fachleuten (die waren natürlich auch da),
denn aus ganz normalen Festivalbesuchern bestand. Im stark besetzten Luzerner
Saal des Kultur-und Kongresszentrums lauschte man den vom Ensemble Phœnix
Basel unter Jürg Hennebergers Leitung hervorgebrachten Klängen mit
beachtlicher Aufmerksamkeit, wenn nicht gar Hingabe.
... Konzertierend sucht Wildberger gleichsam in die Grauzonen zwischen den divergenten
Stimmungen von äquidistanter Sechsteltönigkeit, temperierter Chromatik
und Naturtonreihe vorzudringen. Er verbindet dies mit der Engführung historischer
Zeitgeschichten in simultaner Verwendung von Tasteninstrumenten aus Barock bis
Moderne. Resultat ist kein blosses Tonsystem-Experiment, sondern eine hochaufgeladene
Situation des Kammerkonzertierens, die bis zur maximalen Verdichtung, wie auch
zur totalen Paralyse führen kann. Auch die "normalen" Stimmungen
klingen in diesem Kontext völlig neu Die Aufführung mit Jean-Jacques
Dünki am Sechstelton-Synthesizer geriet derart packend, dass Wildberger
am Schluss des Konzertes unter grossem Jubel gefeiert wurde.
Basler Zeitung, 18.9.2001, Michael Kunkel
Basler Abend beim "Lucerne Festival"
Zeitgenössische Werke/In der Reihe "Lucerne modern" gastierte
Jürg Henneberger und das hervorragende Ensemble Phoenix Basel mit Werken
von Andrea Scartazzini, Philippe Raciene und Jacques Wildberger in Luzern.
...Trotz kurzen Ausbrüchen bleibt die Musik weitgehend im Piano- und Mezzofortebereich,
bildet sensibel ausgehörte Klangflächen, auf denen sich kurze Soloeinwürfe
abzeichnen, wie bei einer Wanderung im Nebel plötzlich die Kontur eines
Baums sichtbar wird. Dabei scheint die Musik immer wieder ins Stocken zu geraten,
bis sie (allzu) abrupt abbricht. "Geleit" ist ein dicht gearbeitetes
Stück von grosser Schönheit und Innenspannung. Die Interpreten setzten
es differenziert und ohne Spannungseinbrüche um.
...Doch letztlich bleibt all das Folie für einen virtuosen Solisten. Das
war Raphael Oleg. Er durfte die ganze Palette seines Könnens zeigen und
faszinierte vor allem in den lyrischen Passagen durch sein nobles, verinnerlichtes
Spiel, das er mit einem Schleier von Wehmut zu umgeben wusste.
...Die Einladung in Luzern in einer Reihe mit den renommiertesten Ensembles
für zeitgenössische Musik aufzutreten, beweist, welchen Ruf sich das
Ensemble Phoenix Basel in nur drei Jahren erworben hat. Es hat ihn mit ausgefeilten
Interpretationen aufs Schönste bestätigt.
Baselandschaftliche Zeitung, 17.9.01
Vielversprechender Vorbote
...Gewissermassen als musikalische Vorhut gewährte das Basler Spezialensemble
einen klingenden, facettenreichen Einblick in das musikalische Schaffen seiner
Wirkungsstätte und verzichtet dabei verdienstvollerweise auf klangvolle
Namen. Stattdessen verlieh das Konzert Neuem und Vernachlässigtem eine
Stimme und zeigte, welche Kostbarkeiten in dieser Stadt auch sonst noch entstanden
sind.
Der Bund, 17.9.2001
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